Täglich: Psalmverse und Bonhoeffer

Die Psalmen haben Dietrich Bonhoeffer viel bedeutet.
"Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt. Je tiefer wir in die Psalmen wieder hinein wachsen, und je öfter wir selber gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden."
Quelle: Gemeinsames Leben/Das Gebetbuch der Bibel

Darum für jeden Tag ein paar Psalmverse und ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer. Sie wiederholen sich über die Monate und durch das Jahr. So können sie in uns in die Tiefe wachsen und sich entfalten. Diese Art von Wiederholungen ist nicht Langeweile, sondern wie ein Glockenschlag für die Seele.

Samstag, 25. Juni
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar,
mit ihnen zu ziehen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken
in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Verse aus Psalm 42

"Wir alle kennen die Stunden unseres Lebens, in denen wir überdrüssig wurden an uns selbst, in denen wir uns selbst zum Ekel waren, in denen uns die ganze Jämmerlich- und Schwächlichkeit unserer Lebensführung vor Augen trat. … Und es ist der Segen solcher Stunden, dass in ihnen die Sehnsucht durchbricht nach dem Angesicht Gottes, nach dem Schauen Gottes. Wer diese Stunden nicht kennt, wer diese Sehnsucht nicht kennt, der wird nicht viel von dem verstehen, was Jesus uns heute zu sagen hat. Wie nun der einzelne Mensch, so erlebt die ganze Welt Stunden in denen sie schreit nach dem Angesicht Gottes aus der Gottlosigkeit und der Gottverlassenheit. Das ganze alte Judentum ist ein einziger solcher Schrei: wie komme ich dahin, dass ich Gottes Angesicht schaue."
Dietrich Bonhoeffer


Freitag, 24. Juni
Gott, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.
Unser Gott kommt und schweiget nicht.
Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden.
Verse aus Psalm 50

"Ist nicht die Gerechtigkeit und das Reich Gottes auf Erden der Mittelpunkt von allem? Nicht um das Jenseits, sondern um diese Welt, wie sie geschaffen, erhalten, in Gesetze gefasst, versöhnt und erneuert wird, geht es doch."
Dietrich Bonhoeffer

Donnerstag, 23. Juni
Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge
und dein Recht wie die große Tiefe.
Gott, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten
deiner Flügel Zuflucht haben!
Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Breite deine Güte über die, die dich kennen,
und deine Gerechtigkeit über die Frommen.
Verse aus Psalm 36

"Das Licht erweckt die Finsternis zum eigenen Sein, zum freien Lobpreis des Schöpfers. Ohne das Licht wären wir nicht – denn ohne das Licht gibt es kein Gegenüber, weil es keine Gestalt gibt. Ohne Gegenüber aber gibt es keine freie Anbetung Gottes. Die unterworfene Tiefe betete Gott an in unterworfener, dumpfer, unfreier Gegenüberlosigkeit, die Gestalt im Licht vernimmt das Gegenübersein als ihr eigenes Sein und dankt es ganz dem Schöpfer. Die vom Licht gespendete Durchsichtigkeit, Klarheit und Unbeschwertheit des eigenen Seins im Gegenübersein mit der anderen geschaffenen Gestalt und mit dem Schöpfer ist das Werk des ersten Wortes des Schöpfers. In seinem geschaffenen Licht sieht die Schöpfung sein Licht."
Dietrich Bonhoeffer

Mittwoch, 22. Juni
Lass ab vom Bösen und tue Gutes;
suche Frieden und jage ihm nach!
Die Augen Gottes merken auf die Gerechten
und seine Ohren auf ihr Schreien.
Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der Gerechte muss viel leiden,
aber aus alledem hilft ihm Gott.
Verse aus Psalm 34

"Der Gerechte leidet unter der Welt, der Ungerechte nicht. Der Gerechte leidet unter den Dingen, die für andere selbstverständlich und notwendig sind. Der Gerechte leidet unter der Ungerechtigkeit, unter der Sinnlosigkeit und Verkehrtheit des Weltgeschehens. … Die Welt sagt: das ist nun einmal so, wird immer so sein und muss so sein. Der Gerechte sagt: es sollte nicht so sein, es ist gegen Gott. Daran vor allem wird man den Gerechten erkennen, dass er in dieser Weise leidet. Er bringt gewissermaßen das Sensorium Gottes in die Welt; darum leidet er, so wie Gott unter der Welt leidet. – "Aber der Herr hilft ihm" – nicht in jedem Leiden der Menschen ist Gottes Hilfe. Aber in dem Leiden des Gerechten ist immer Gottes Hilfe, weil er ja mit Gott leidet. Gott ist immer dabei."
Dietrich Bonhoeffer


Dienstag, 21. Juni
Entrüste dich nicht über die Bösen,
sei nicht neidisch auf die Übeltäter.
Denn wie das Gras werden sie bald verdorren,
und wie das grüne Kraut werden sie verwelken.
Hoffe auf Gott und tue Gutes,
bleibe im Lande und nähre dich redlich.
Habe deine Lust an Gott;
der wird dir geben, was dein Herz wünscht.
Befiehl Gott deine Wege
und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen
und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht
und dein Recht wie den Mittag.
Sei stille zu Gott hin und warte auf ihn.
Verse aus Psalm 37

"Stille vor Gott bedarf der Arbeit und der Übung. Sie bedarf des täglichen Mutes, sich Gottes Wort auszusetzen und von ihm richten zu lassen, bedarf der täglichen Frische, sich an Gottes Liebe zu freuen."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 20. Juni
Gott, höre und sei mir gnädig!
Gott, sei mein Helfer!
Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,
du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen
und mich mit Freude gegürtet,
dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.
Mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Verse aus Psalm 30

"Es ist eine überraschende Beobachtung, dass gerade in den Psalmen, die über Bedrückung und Leiden der Gerechten klagen, das Lob der Freundlichkeit Gottes, der es den Seinen wohl ergehen lässt, besonders stark hervorbricht."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 19. Juni
Ich will Gott loben allezeit;

sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen Gottes,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir Gott
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich Gott suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte Gott
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel Gottes lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Verse aus Psalm 34

"Vor Gottes Gebot ist der Mensch nicht der Herkules am Scheidewege in Permanenz, nicht der ewig um die rechte Entscheidung Ringende, im Konflikt der Pflichten Sich Aufreibende, immer wieder Scheiternde und neu Anfangende, und Gottes Gebot selbst tritt nicht nur in jenen großen, bewegten, in höchster Bewusstheit erlebten Krisenmomenten des Lebens in Erscheinung. Vielmehr darf der Mensch vor Gottes Gebot nun einmal schon wirklich auf dem Wege sein (nicht immer erst am Scheideweg stehen), er darf die rechte Entscheidung einmal wirklich hinter sich haben (nicht immer vor sich), er darf ganz ohne inneren Konflikt das Eine tun und das andere (theoretisch-ethisch vielleicht ebenso Dringliche) lassen, er darf den Anfang schon gemacht haben und sich auf dem Wege vom Gebot wie von einem guten Engel leiten, begleiten und bewahren lassen, und Gottes Gebot selbst kann nun in der Gestalt alltäglicher, scheinbar kleiner, bedeutungsloser Worte, Sätze, Winke, Hilfen dem Leben die einheitliche Richtung, die persönliche Führung geben."
Dietrich Bonhoeffer