Täglich: Psalmverse und Bonhoeffer

Die Psalmen haben Dietrich Bonhoeffer viel bedeutet.
"Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt. Je tiefer wir in die Psalmen wieder hinein wachsen, und je öfter wir selber gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden."
Quelle: Gemeinsames Leben/Das Gebetbuch der Bibel

Donnerstag, 25. Februar
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar,
mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken
in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Verse aus Psalm 42

"Wir alle kennen die Stunden unseres Lebens, in denen wir überdrüssig wurden an uns selbst, in denen wir uns selbst zum Ekel waren, in denen uns die ganze Jämmerlich- und Schwächlichkeit unserer Lebensführung vor Augen trat. … Und es ist der Segen solcher Stunden, dass in ihnen die Sehnsucht durchbricht nach dem Angesicht Gottes, nach dem Schauen Gottes. Wer diese Stunden nicht kennt, wer diese Sehnsucht nicht kennt, der wird nicht viel von dem verstehen, was Jesus uns heute zu sagen hat. Wie nun der einzelne Mensch, so erlebt die ganze Welt Stunden in denen sie schreit nach dem Angesicht Gottes aus der Gottlosigkeit und der Gottverlassenheit. Das ganze alte Judentum ist ein einziger solcher Schrei: wie komme ich dahin, dass ich Gottes Angesicht schaue."
Dietrich Bonhoeffer

Mittwoch, 24. Februar

Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach;
heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken
und meine Seele ist sehr erschrocken.
Ach du, Herr, wie lange!
Wende dich, Herr, und errette meine Seele,
hilf mir um deiner Güte willen!
Ich bin so müde vom Seufzen;
ich schwemme mein Bett die ganze Nacht
und netze mit meinen Tränen mein Lager.
Der Herr hört mein Flehen;
mein Gebet nimmt der Herr an.
Verse aus Psalm 6

"Gottes Gebot kann nicht zeit- und ortlos gefunden und gewusst, sondern nur in der Bindung an Ort und Zeit gehört werden. Gottes Gebot ist entweder bestimmt, klar, konkret bis ins Letzte oder es ist nicht Gottes Gebot. … Gottes Gebot als das in Jesus Christus geoffenbarte ist immer ein konkretes Reden zu jemandem, niemals ein abstraktes Reden über etwas oder jemanden. Es ist immer Anrede, Beanspruchung und das in so umfassender und zugleich bestimmender Weise, dass es ihr gegenüber nicht mehr die Freiheit der Auslegung und der Anwendung, sondern nur noch die Freiheit des Gehorsams oder des Ungehorsams gibt. Gottes in Jesus Christus geoffenbartes Gebot umfasst das Ganze des Lebens. Es bewacht nicht nur wie das Ethische die unüberschreitbaren Grenzen des Lebens, sondern es ist zugleich die Mitte und Fülle des Lebens. Es ist nicht nur Sollen, sondern auch Erlauben, es verbietet nicht nur, sondern es befreit zum echten Leben, es befreit zum unreflektierten Tun. Es unterbricht nicht nur den Lebensvorgang dort wo er sich verfehlt, sondern es begleitet und führt ihn, ohne dass das immer ins Bewusstsein erhoben werden müsste. Gottes Gebot wird zur täglichen göttlichen Führung unseres Lebens."

Dienstag, 23. Februar

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört,
unsre Väter haben's uns erzählt,
was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
Täglich rühmen wir uns Gottes
und preisen deinen Namen ewiglich.
Doch nun verstößt du uns
und lässt uns zuschanden werden.
Wach auf, Herr! Warum schläfst du?
Werde wach und verstoß uns nicht für immer!
Warum verbirgst du dein Antlitz,
vergissest unser Elend und unsre Drangsal?
Denn unsre Seele ist gebeugt zum Staube,
unser Leib klebt am Boden.
Mache dich auf, hilf uns
und erlöse uns um deiner Güte willen!
Verse aus Psalm 44

"Man muss damit rechnen, dass die meisten Menschen nur durch Erfahrungen am eigenen Leibe klug werden. So erklärt sich erstens die erstaunliche Unfähigkeit der meisten Menschen zu präventivem Handeln jeder Art – man glaubt eben selbst immer noch, um die Gefahr herumzukommen, bis es schließlich zu spät ist; zweitens die Stumpfheit gegenüber fremdem Leiden; proportional mit der wachsenden Angst vor der bedrohlichen Nähe des Unheils entsteht das Mitleid."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 22. Februar
Ich traue auf den Herrn. Wie sagt ihr denn zu mir:

»Flieh wie ein Vogel auf die Berge!
Denn siehe, die Frevler spannen den Bogen
und legen ihre Pfeile auf die Sehne,
damit heimlich zu schießen auf die Frommen.
Ja, sie reißen die Grundfesten um;
was kann da der Gerechte ausrichten?«
Der Herr ist in seinem heiligen Tempel,
des Herrn Thron ist im Himmel.
Seine Augen sehen herab,
seine Blicke prüfen die Menschenkinder.
Der Herr prüft den Gerechten,
aber den Frevler hasst er und den, der Gewalttat liebt.
Denn der Herr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb.
Die Frommen werden schauen sein Angesicht.
Verse aus Psalm 11

"Wer sagt uns eigentlich, dass alle weltlichen Probleme gelöst werden sollen und können? Vielleicht ist Gott die Ungelöstheit dieser Probleme wichtiger als ihre Lösung, nämlich als Hinweis auf den Sündenfall des Menschen und auf Gottes Erlösung. Vielleicht sind die Probleme der Menschen so verstrickt, so falsch gestellt, dass sie eben wirklich nicht zu lösen sind."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 21. Februar
1. Sonntag der Passionszeit - Invokavit
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.
Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Verse aus Psalm 91

"Es gehört zur Begrenztheit verantwortlichen Lebens und Handelns, dass es mit der Verantwortlichkeit der anderen ihm begegnenden Menschen rechnet. … Niemals also kann es eine absolute Verantwortung geben, die nicht an der Verantwortlichkeit des anderen Menschen ihre wesenhafte Grenze fände. … Gott und der Nächste, wie sie uns in Jesus Christus begegnen, sind ja nicht nur die Grenzen, sondern auch der Ursprung verantwortlichen Handelns. Unverantwortliches Handeln ist eben dadurch definiert, dass es diese Grenzen, Gott und den Nächsten, missachtet. Verantwortliches Handeln gewinnt seine Einheit und schließlich auch seine Gewißheit aus dieser seiner Begrenztheit durch Gott und den Nächsten. Gerade weil es seiner selbst nicht Herr ist, weil es nicht grenzenlos, übermütig, sondern geschöpflich, demütig ist, kann es von einer letzten Freude und Zuversicht getragen sein, kann es sich in seinem Ursprung, Wesen und Ziel, in Christus, geborgen wissen."
Dietrich Bonhoeffer